Der Dauerhörer – Sennheiser HD650

Die Firma Sennheiser aus der Wedemark ist einer der bekanntesten Hersteller für HiFi Produkte, speziell von Kopfhörern und Mikrofonen, so setzen beispielsweise Jean Michel Jarre, Beyonce und Peter Maffay auf Sennheiser. Das unterstreicht die Kompetenz des Herstellers sehr eindrucksvoll. Wobei auch andere Hersteller in der Lage sind, hervorragende Produkte zu entwickeln.

Doch auch im HiFi Bereich hat Sennheiser Geschichte geschrieben: Da wäre zum Einem der HD414, der erste offene Kopfhörer, der die Welt erblickte und laut Sennheiser der meistverkaufte Kopfhörer der Welt ist. Eine weitere Legende kommt ebenfalls aus dem Hause Sennheiser: Der Sänger und Dichter aus der griechischen Mythologie Orpheus. Die offizielle Benennung lautet He 90/ HE V90 . Sennheiser beauftragte seine Ingenieure damit, um jeden Preis den besten Kopfhörer, den die Welt je zu Gesicht bekommen würde, zu entwickeln. Herausgekommen ist 1991 die legendäre Kombination aus HEV 90(der Röhrenverstärker) und HE90, diese Ohrenschmeichler waren auf 300 Stück limitiert und kosteten schlanke 30000 DM. Klanglich soll er eine enorme Wucht sein.(Ich konnte ihn leider noch nie hören) Der neue HD800, der inoffizielle Nachfolger des Orpheus ist einer der wenigen Kopfhörer die ebenfalls diese Klangqualität bietet(Ein Test des HD800 ist ebenfalls geplant, wenn ich ein Testmuster bekomme) Mit dem HD25 hat Sennheiser einen DJing Kopfhörer im Programm, der von vielen DJs genutzt wird.

Am 5. Dezember 2003 releasten die Wedemarker einen Kopfhörer, der lange Zeit Sennheisers Topmodell darstellte, der Sennheiser HD650. Nachdem er nun schon 9 Jahre auf dem Markt ist und bald 10 Jahre alt wird, werde ich ihn einem Test unterziehen, der zeigen wird, inwiefern der HD650 seiner ehemaligen Rolle auch gerecht wird.

Wichtig ist zu wissen, dass es mehrere Versionen des HD650 gibt, da Sennheiser die Treiber weiter verbessert hat, ich besitze die neueste Version aus dem Jahre 2009.

Technik

Fangen wir zuerst einmal mit der Technik an, hierzu ist es zunächst einmal sinnvoll sich die technischen Daten anzusehen:

Nennimpedanz:                        300 Ohm

Andruckkraft:                           2,5 Newton

Gewicht:                                    260 Gramm

Klinkenstecker:                       6,3mm(3,5mm Adapter mitgeliefert)

Kabellänge:                              3 Meter

Wandler Prinzip:                      Dynamisch, Offen

Bauweise:                                 Ohrumschließend

Frequenzgang                         10 – 39500 Hz

Schalldruckpegel bei 1 KHz: 103 dB

Klirrfaktor bei 1 KHz:             0,05%

Soweit die Technischen Daten, die man jedoch mit Vorsicht genießen sollte. Nun zu der weiteren Technik:

Die 40mm Treiber sind paarweise handselektiert(im Bereich von +- 1 dB tolerierte) und stellen eine Weiterentwicklung der HD600 Treiber dar. Sie sind in einem offenen System eingebaut und mit einem 2 adrigen, beidseitig geführten Kabel, bestehend aus OFC, angeschlossen. Das Kabel ist löblicherweise abnehmbar bzw. steckbar, sodass ein Kabelbruch kein Problem darstellten sollte. Am Ende des Kabels ist ein 6,3mm Klinkenadapter angebracht, der vergoldet ist und einen guten Eindruck macht. Laut Sennheiser ist das Kabel aufgrund einer Kevlarverstärkung bruchsicher.

Die Nennimpedanz liegt bei 300 Ohm, was dafür sorgt, dass der Kopfhörer trotz eines guten Schalldruckpegels von 103dB nicht leicht anzutreiben ist.. 300 Milliampere möchte der Sennheiser schon haben, weshalb sich der Einsatz eines Kopfhörerverstärkers bezahlt macht. Ein potenter guter Kopfhörerausgang reicht jedoch auch aus, wobei ein Kopfhörerverstärker eine kleine Verbesserung darstellt.

 

Optik

Nun zu der Optik:

Der Kopfhörerbügel ist glänzend anthrazit lackiert, darauf prangt in weißer Schrift das Sennheiser Logo, sowie der Name der Firma, Sennheiser. Die Bügel sind verstellbar, wenn man den Hörer für größere Köpfe anpassen möchte, kommt ein schwarzes Metallband zum Vorschein, welches sich gut in den Gesamteindruck einfügt. Die Ohrmuscheln sind verstellbar und ebenfalls grau lackiert. Vor den Treibern ist, wie nicht anders zu erwarten, ein anthrazit farbiges Schutzgitter, durch welches man die Treiberkonstruktion sieht. Wer den Treiber nicht sehen möchte, dem sei folgende Modifikation nahegelegt: http://www.hifi-forum.de/index.php?action=browseT&forum_id=110&thread=2622&postID=0#0 (am besten nach m00k00h’s Beiträgen suchen)

Die schwarzen Velourspolster sind austauschbar und an schwarzen Ringen befestigt, an denen auch die Schutzgitter befestigt sind.

Das schwarze Kopfhörerkabel ist beidseitig geführt und Gott sei Dank steckbar, somit heißt ein Kabelbruch, wie er häufiger auftritt, nicht, dass man den Kopfhörer entsorgen muss.

Verarbeitung:

Der Kopfhörer ist sehr hochwertig verarbeitet, nichts knarzt oder stinkt(wie beim AKG K550). Andere User sollen hingegen Probleme mit dem Knarzen haben. Einen negativen Punkt gibt es jedoch noch, dieser tritt bei einigen Sennheisermodellen auf: Das Lackproblem. Auch beim HD650 blättert der Lack trotz sanfter und ordnungsmäßiger Lagerung an einigen Stellen am Kopfband ab, hier gilt es für Sennheiser dringend nachzubessern.

Lieferumfang:

Der HD650 wird in einer silbernen Pappschachtel geliefert, in dieser steckt eine stabilere, ebenfalls silberne Transportbox. Darin liegt der HD650 sicher in Schaumstoff eingebettet.

Zum Lieferumfang gehört:

Der HD650

Ein Handbuch

Garantiebeleg bzw. Zertifikat

6,3mm auf 3,5mm Klinkenadapterkabel(vergoldet)

Klang

Sennheiser besitzt seit langer Zeit eine spezielle Firmenabstimmung, die von vielen Kopf-Hörern liebevoll als Sennheiser Teppich bezeichnet wird. Diese Abstimmung tritt vor allem bei den Sennheiserkopfhörern bis zum HD598 auf. Beim HD600/650 hat Sennheiser es geschafft, diesen Teppich größtenteils zu beseitigen, so hat man nicht mehr das Gefühl, dass sich zwischen Hörer und Bühne ein Vorhang befindet. Dieser Vorhang wird von vielen Usern als störend empfunden, weil er dafür sorgt, dass Alles etwas verwaschen klingt.

Points Of Authority Linkin Park

Dies ist ein sehr kraftvoll gesungenes Lied von Linkin Park, welches noch aus der Vorloudnesswarzeit stammt, deshalb ist hier die Dynamik zwar nicht überragend aber dennoch in Ordnung. Im Refrain hört man an den geschriehenen Stellen sehr schön, wie die Stimmbänder von Chester Bennington flattern. Das Schlagzeug wirkt in diesem Stück mit dem HD650 sehr groß, es ist quasi über die ganze hintere Bühne verteilt, trotzdem wird es ziemlich sauber dargestellt, wobei der HD650 bei einigen schnellen Passagen teilweise nicht richtig hinterherkommt. Der Gesang, die Mitten werden sehr gut wiedergegeben, hier liegt die Stärke des HD650, in der Stimmwiedergabe. Die E-Gitarren wirken leider teilweise nicht ganz klar, so als wäre eben dieser Vorhang vor den Gitarren

Hero Enrique Iglesias

Hier kann man die Akkustikgitarre sehr schön am rechten hinteren Bühnenteil orten, dahinter sitzen noch einige Streicher, vorne auf der Bühne steht der Sänger, dass alles ist mit dem HD650 feststellbar. Lieder breitet sich die Bühne weitestgehend nur im Kopf aus. Der Gesang von Iglesias wird sehr emotional übertragen, Gänzehautfeeling pur. Des Weiteren werden die mittelhohen Gitarren Töne sehr klar und deutlich wiedergegeben – ich selber spiele Gitarre und bemerke somit, dass die hohen Töne der Gitarre leicht zurückgenommen sind, genauso wie die Streicher, die sanft im Hintergrund spielen, das hat den Nachteil, dass der Kopfhörer nicht mehr so analytisch klingt. Der Vorteil liegt darin, dass man mit dieser Abstimmung stundenlang entspannt musikhören kann, was mit einem DT880 oder K701 nicht immer der Fall ist.

Finsternde Zeit Herbert Grönemeyer

Hier hört man am Anfang des Stückes sehr schön, wie die rechts und links auf der Bühne platzierten Gitarre mit einem harten Plektrum gespielt werden, das Plektrum schnellt sehr sauber über die Seiten, was bei sehr weichen Plektren leider nicht immer der Fall ist – Kompliment an die Musiker. Die Hi-Hat des Schlagzeuges ist hier für meinen Geschmack etwas zu leise, dafür kommen die restlichen Teile des Schlagzeuges sehr gut zum Vorschein. Grönemeyers Stimme wird hier, wie bei fast allen Stücken sehr natürlich dargestellt. Die Effekte sind alle hörbar und werden nicht verschluckt, wobei ein DT880 die Effekte deutlicher zu Tage fördert.

It’s A Hard Life Queen

In diesem Stück gibt es einen sehr hohen Lautstärkeunterschied zwischen den Strophen und dem Refrain, diesen stellt der HD650 genauso da, wie ich mir das wünsche. Freddy Mercurys einzigartige kraftvolle Stimme stellt der HD650 so dar, wie ich es von den Livekonzerten gewohnt bin. Die Gitarrensoli gibt der HD650 ebenfalls sehr natürlich dar, wobei ich mir einen etwas strafferen Grundton wünschen würde. Negativ ist mir aufgefallen, dass das das Piano zu weit in den Hintergrund tritt – lautstärkemässig.

Don’t Stop me Now Royal Philharmonic Orchestra

Hier hört man ganz am Anfang des Liedes, wie ein Zuschauer links im Publikum hustet. Der Drive des Stückes wird super übertragen, der Fussmitwippfaktor steigt. Was dem HD650 bei Klassik jedoch fehlt sind die brillanten Höhen, die ein DT880 bietet. Denn im Klassikbereich wirken sich die zurückgenommenen Höhen negativ aus. Das führt glücklicherweise dazu, dass ich mit dem HD650 über Stunden Symphoniekonzerte hören kann. Was dem HD650 bei Klassik ebenfalls fehlt, ein K701 aber bietet, ist eine enorm breite Bühne, beim HD650 klingt es stellenweise so, als ob das Orchester in einem kleinen Raum und nicht in einem Konzertsaal spielt. Die genaue Position der Instrumente lässt sich deshalb nur in etwa erahnen. Dafür schafft es der HD650 die Dynamik gut herüberzubringen, was dazu führt, dass es ordentlich rumst, wenn ein ganzes Orchester spielt. In Sachen Feindynamik muss sich der HD650 jedoch den anderen Beiden der “großen Drei” geschlagen geben, diese fördern kleine Lautstärkedetails noch feiner heraus.

Let it Be The Beatles

Dieses Lied hat, da ich es auf Vinyl habe, ein Grundrauschen, welches der HD650 nicht verschweigt. Das Klavier der Band ist gut zu orten, man bemerkt ebenfalls schnell, dass John Lennon rechts vor dem Klavier steht und im rechten Hintergrund der Backgroundchor steht. In der hinteren Mitte der Bühne steht das Schlagzeug, auch hier ist die Hi-Hat für meinen Geschmack zu leise. Dafür hört man sehr schön, wie sich am Anfang des Stückes Lennons Stimme im Raum ausbreitet.

Hörbücher: Die Drei Fragezeichen

Hier geht es mir größtenteils um die Verständlichkeit. Wie Ihr im Verlauf des Tests sicherlich bemerkt habt, sind die Stimmen die Stärke des HD650. Das bestätigt sich hier deutlich, man kann alle Protagonisten sehr klar und deutlich verstehen. Aufnahmefehler deckt der HD650 schonungslos auf.

Filme und Computerspiele

Filme werden vielleicht noch zum Bericht hinzugefügt, ebenso wie Computerspiele, wobei ich der Meinung bin, dass der HD650 sich aufgrund seiner leichten Grundtonbetonung auch hier gut schlägt.

Fazit:

Der HD650 ist ein guter Kopfhörer für KopfHörer die lange entspannt Musik hören möchten, ohne das Ermüdungserscheinungen auftreten. Diese entspannte Wiedergabe wird dadurch erzeugt, dass der Kopfhörer leicht zurückgenommene Höhen und einen leicht betonten Grundton besitzt. Dies hat sowohl seine Vor-als auch Nachteile hat. So ist der HD650 für Rock, Pop und Metal sehr gut geeignet. Für Klassik und Jazz ziehe ich jedoch einen AKG K701 oder DT880 vor, da diese noch präziser klingen. Die Stärken des HD650 sind in den Mitten und der Stimmwiedergabe zu finden, da kann er in Sachen Auflösung sogar einen K701 schlagen, mindestens gleichziehen. Die großen Schwächen sind der etwas unpräzise Bass, sowie die ebenfalls nicht immer schönen Höhen. Ebenfalls ein Nachteil, welcher mit Crossfeed etwas verbessert werden kann, ist die im Vergleich zu anderen Kopfhörern schwache Bühne. Aufgrund all dieser Tatsachen, sehe ich den HD650 als „Dauerhörer“ an, der jedoch den Nachteil seines deftigen Preises von 350€ besitzt. Deshalb ich euch zum Probehören rate, denn Alles was ich hier berichtet habe, ist subjektiv.

Mit wohlklingenden Grüßen

euer Blogteam

Advertisements

2 Kommentare zu “Der Dauerhörer – Sennheiser HD650

  1. Pingback: Anonymous

  2. Pingback: Creative Sound Blaster X-Fi Titanium HD oder ASUS Xonar Essence STX? - Das ist hier die Frage ...

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s